28.07.2013 HipHop Open 2013 @ Cannstatter Wasen

Was mich morgens um elf erstmal am meisten interessiert, ist das Drumherum. Wie lange muss man anstehen, bis man drin ist, wo gibt’s was zu essen und zu trinken, gibt es ausreichend Toiletten und was ist sonst so geboten? Nachdem sich das Gelände letztes Jahr eher karg und wenig einladend präsentiert hatte, muss man diesen Bereich auf jeden Fall dieses Jahr loben: Man und vor allem frau war schnell auf dem Gelände. Eine große Auswahl an Ständen sorgte für kurze Wartezeiten von höchstens fünf Minuten und befriedigte Gesichter. Dasselbe gilt auch für die Toiletten. Nur dass bei ca. 30 Grad an diversen Ständen wieder die antialkoholischen Getränke ausgingen, das geht halt wieder mal gar nicht. Kleines Plus aber für das fließende Trinkwasser bei den Toiletten im Reitstadion, das gerne und viel genutzt wurde, nur für knapp 20.000 Leute etwas dürftig war.

Wenig bis garnicht vertreten waren auch die anderen Elemente des „HipHop“ auf dem Open. Das Reitstadion war sinnvollerweise verkleinert worden, wodurch sich allerdings auch die Graffiti-Walls stark verkleinerten und so eher zur Randerscheinung verkamen. B-Boys hab ich keine gesehen, auch keine Stände mit Platten oder ähnliches, nur Merchandise und Klamotten und Werbung. „Der Kaufkonsum zerstört mein HipHop-Heiligtum“ hieß es mal.

Im Vorfeld bereits meistdiskutiert: das Line-up, das wirklich auch mal für mutige und gute Bookings wie bspw. Watzky gelobt werden muss, angesichts des Zeitplans und der Aufstellung allerdings auch gleichermaßen so viel Kritik einstecken musste, dass sogar Facebook-Initiativen Änderungen im Zeitplan forderten. Wie kann man auch im Vorfeld drauf kommen, Ferris MC und die Beginner relativ gleichzeitig spielen lassen zu wollen? Oder Megaloh und Marteria? Die Entscheidung, wem man den Vorzug geben sollte, fiel teilweise schwer und war ärgerlich, da man Vieles verpasste. So kam man nach soliden Performances von Reimebude und Sam in den Genuss eines sehr guten Auftritts von Chefket mit Livedrums und Überraschungsgast Marteria, verpasste aber Watzky mit Liveband auf der Hauptbühne fast komplett. Das sichtlich mitrockende Publikum wusste der stark gehypete Action Bronson in der Folge leider nicht ansatzweise so zu überzeugen, zu „tired as a motherfucker“ und unmotiviert die Vorstellung trotz guter Beats. Dann lieber Gerard auf der kleinen Bühne, der auch mit emotionalen Tracks gefiel.

Nächster Konflikt: die live schon immer überragenden Blumentopf-Jungs oder Chimperators Neuzugang Weekend? Tja, meine Münchner Begleitung will zum Topf, der überraschenderweise viele alte Classics statt „GBR“-Tracks spielt und auf „Party-Safari“ verzichtet. Trotz Freestyles und allem, „irgendwie klingt´s anders, irgendwie swingt´s anders“. War auf Tour besser. Weekend soll echt gut gewesen sein, hab ich mir sagen lassen. Hmpf! Jetzt brauchte ich erstmal ´ne leicht angekäste lange Pause im Schatten und verzichtete auf Leftboy, der ja schon letztes Jahr da war. Dass ich schon wieder was verpasste, durfte ich mir in Form einer riesigen rosa Wolke am Himmel über dem Open anschauen. War dann wohl doch sehenswert, hmpf! Im Gegensatz zu den 257ers, deren Fäkalhumor mir nach drei Tracks echt auf die Nüsse ging, auch wenn die Kids sie abfeierten. Aus dem gleichen Grund boykottierte ich auch Tyga, dem das mit 20 Mädels auf der Bühne aber auch egal sein konnte.

Dann endlich Megaloh! Endlich wieder einer, der zeigt, was „Rap ist“! Seine Laune und Ausstrahlung großartig wie das Wetter, da geht alles vom straighten „HipHop“ bis zum Reggae-Vibe von „Yogibär“. Für´s Marteria-Feature und mehr als eine von mehrfach geforderten Zugaben blieb leider keine Zeit, denn der musste bereits auf der Hauptbühne ran. Tracks aus „Zum Glück in die Zukunft“ und der „Lila Wolken“-EP sind einfach perfekte Festival-Burner und die riesen Menge ging steil. Statt wie vorher rosa oder lila zündete Alter Ego „Marsimoto“ aber lieber grüne Wolken, was zwar nicht neu, aber jedesmal auf´s Neue saugeil anzuschauen ist. Checkt die Fotos von Paul Ripke dazu im Netz!

Endlich war dann auch mal diese schöne aber heftige Sonne weg, da sorgte eine Ankündigung für Verwirrung: Wu-Tang stehen wohl im Stau, also doch erst die Beginner, damit die aber nicht gleichzeitig mit Ferris spielen, kommen noch – Überraschung - Genetikk! Geil, aber dieser Dillon Cooper? Hmpf! Es herrschte Unklarheit, ich blieb vor der Hauptbühne! Wollte Deutschraps momentane Nummer eins der Charts mal live sehen. Mir gefiel´s dann auch sehr gut, überragen können die „Neckbreaker-Aliens“ allerdings in 20 Minuten auch keinen. Absolut überragend war dafür die fünf-stufige DJ-Pult-Pyramide, die danach für DJ Mad von den Beginnern aufgebaut wurde.

Wie gut, die Beginner mal wieder live zu sehen, sind halt immernoch die derbsten Styler. Sie zeigten sich an und für sich unverändert, nur Eißfeld sieht mit Vollbart mittlerweile aus wie eine dünne Version von Action Bronson. Nach mehreren ihrer Hits, die immernoch sichtlich allen Spaß machten, kam dann auch Ferris MC noch auf ein Feature vorbei. Später auch Marteria, einmal als Rapper und später als riesen Plüschtier bei „Gustav Gans“ samt Stagediving! Dann auch noch ein Beastie Boys-Medley als Tribut an den verstorbenen MCA, den sie zu ihren Vorbildern zählen. Die Beginner hatten Zeit und wussten sie sehr gut zu nutzen, der ganze Wasen hatte Spaß und rockte on and on durch die Lieblingstracks aus „Bambule“ und „Blast Action Heroes“. „Wollt ihr noch einen? - Auf jeden!“

Die Stimmung des Festivals ist auf dem Höhepunkt, als der Clan mit massiver Verspätung die Bühne entert. Alle sind sie da, Ghost, Meth, Chef, Deck, GZA, RZA und so weiter und machen gleich richtig gut gelaunt Alarm, spritzen mit Champagner und laufen alle durcheinander und rappen als wär es eine der legendären Sessions in RZAs Haus. Problematisch nur, dass der Sound von neun MCs, die alle gleichzeitig rappten, unglaublich schlecht war. Wie er es teilweise übrigens auch tagsüber war, aber immerhin besser als letztes Jahr. Das unverständliche Gebrabbel und die chaotische Bühnenshow nervten, die ersten waren tatsächlich schon am Gehen! Nicht wenige sahen die Beginner im Nachhinein völlig zu Recht auf dem Headliner-Slot, da die Jungs aus Shaolin sie nicht mehr überbieten konnten, egal welchen ihrer Klassiker sie spielten. Viel Zeit blieb ihnen dafür allerdings auch nicht: Punkt halb elf gingen mitten im Song die Stage-Lichter an und der Auftritt war beendet. Irritierte Wu-Members legten die Mics beiseite und verließen die Bühne. Was war los? Angeblich hatte das Stuttgarter Ordnungsamt pünktlichst den Strom abgestellt, Feierabend! Kein weiterer Wu-Track mehr, das war´s, nach knapp einer halben Stunde! Von überall her flogen Becher samt Buh-Rufen auf die Bühne. Ein unschöner Abschluss eines eigentlich unter besten Voraussetzungen gestarteten und größtenteils gut organisierten Festivals.

Text: MausDef

 

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