19.04.2013 Review: Maeckes Gitarrenkonzert @ Merlin, Stuttgart

Maeckes lud nach Jahren endlich wieder ein zu seinen legendären Gitarrenkonzerten. Wer´s verpasst hat oder nochmal Revue passieren lassen will, der erfährt hier, wie es war.

Herrlich unperfekt

Über Maeckes habe ich mal gelesen, dass er ein Perfektionist sei, was das Musik machen angeht. Und wer „Kids“ und viele andere Tracks aus seinem mittlerweile beachtlichen Repertoire genau angehört hat, der wird dem sicherlich ob der Detailverliebtheit zustimmen. Gleichermaßen ist er aber vielen noch als ein versierter Freestyler im Gedächtnis, der spontan am Micro überzeugt. Beide Fähigkeiten vereint er (gewollt?) bei seinen Gitarrenkonzerten.

Schon die Gitarrenkonzerte vor 4 Jahren waren stets sehr gut besucht. In der Zwischenzeit ist viel passiert und wenn Maeckes heute seine Tour bekannt gibt via Social Media, dann gibt’s nach ner halben Stunde keine Karten mehr und Server brechen zusammen. Schon ein bisschen Star Status. Da kommen in das kleine Merlin in Stuggi-West halt auch mal Leute aus Berlin und Straßburg angereist, um das nicht zu verpassen, kein Scherz! Und, natürlich, viele Mädchen. Es ist zwar ausgelutscht, aber es fällt einfach jedem männlichen Zuschauer auf! Ist ja auch was Schönes. Und kaum wird das Licht gedimmt, verdrehen sie ihre Köpfe.

Maeckes dagegen kommt ganz bescheiden durch die Stuhlreihen zur Bühne und begrüßt viele per Handschlag. Auf der Bühne erwarten ihn Gitarre, Hocker, Laptop, das war´s. Keine große Bühnenshow, aber, wie sich im Lauf des Abends zeigen wird, ganz großes Entertainment. Denn auch wenn er nur mit der Gitarre seine Songs wie „Zahl Eins“ oder „Endlich Reform“ begleitet, in seinem Kopf passiert da pure Disko, sagt er. Und mit jedem Song entlockt er dem Publikum durch facettenreiche Betonung oder schelmische Mimik ein Lächeln, er nimmt sich selbst und seine Kunst nicht zu ernst, auch wenn in seinen Texten Sozialkritisches oder Melancholisches mitschwingt. Nicht zuletzt, indem er fragt, warum Singer-/Songwriter-Kollegen gerne mal ihre Gitarre wechseln und die Luftgitarre für „Betrunkene Kinder“ auspackt. Weil er das Publikum nach einer Pause für „menschliche Bedürnisse“ fragt, um dann doch nochmal drei Songs zu spielen, weil er grade so Bock hat. Weil er sich über seine beschränkten Gitarrenskills lustig macht und das Publikum auffordert, ihm das doch auch mal zu sagen. Dementsprechend ein Wunschkonzert diverser Tracks in A-Moll spielt. Und weil der Rapper in ihm rauskommt wenn er bei „Niemandsland“ oder „Graustufenregenbogen“ mal die Klampfe durch ´nen Beat ersetzt. Und weil es nicht immer niveauvoll sein muss, sondern ein Lied auch mal „Taschentücher sind nicht nur zum Onanieren da“ heißen darf.

Gegen Ende gibt es bei „Nisma“ und „Sein wie ich“ dann neben der insgesamt lockeren Athmosphäre auch nochmal Gänsehautmomente. Und beim Orsons-Hit „Jetzt“ versuchen wir uns alle am Refrain und den Parts von Plan B, Tua und Kaas, was sogar erstaunlich gut gelingt im Kollektiv. Was zum Mitmachen und gemeinsamen Feiern des Abends. Der Schluss jedoch gehört dem Künstler: Mit „Unperfekt“ wird eigentlich doch perfekt ausgesagt, was den Charme von Maeckes und seinen Gitarrenkonzerten ausmacht. Und wer möchte, kann es ihm gleich tun und seine Songs ebenso unperfekt nachspielen, denn Maeckes hat alle Texte und Akkorde in einem kleinen Liedbuch zusammengefasst. Das ist doch mal ein cooles Merchandise! Und da steht er dann zum Schluss noch für unzählige Fotos, Autogramme und Handshakes. Der Erfolg sei ihm gegönnt, denn jedes seiner Konzerte ist immer ein außergewöhnliches Erlebnis.


Text: MausDef

 

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