04.01.2013 Rap Mayhem Festival Tour - Rocker 33 Stuttgart

Anfang Dezember ´12 wurden mal wieder ein paar gestandene Ami-Rap-Heroen nach Stuggi importiert, um die Bude mit ihrer langjährigen Bühnenerfahrung einzureißen. Oder wurden wir alle nach Brooklyn exportiert? So sah es zumindest aus, wenn man das Rockers betrat: keine Hipster hier, alles voller Nikes, Adidas, Beanies und Caps! Kein Wunder, stehen doch auch die us-amerikanischen Gäste wohl eher weniger für Chartmusik und mehr für In-die-Fresse-Rap!

Eröffnet wurde der Abend dazu passend von zwei Stuttgarter Rap-Schwergewichten, denen ein gepflegt gebrülltes „Huuuuuaaaaaahhhh!“ auch mehr ist als Teenie-Gekreische: die Hefemenschen Smoke T(üüü) & Tomas Pyrin stehen seit Jahren für Live-Shows, bei denen es ordentlich zur Sache geht. Da fliegen Hausschuhsocken statt BH´s auf die Bühne, es wird humorvoll, aber hart gepunched und DJ Sauerei haut dir Beatbretter um die Ohren. Dem schloss sich der zweite deutsche Act des Abends namens Sickless (check mal VBT/Youtube) nahtlos an und versuchte, die noch etwas statische Meute zu motivieren. Ging sauber ab, kannten aber wohl einfach noch zu wenige, um richtig was zu reißen beim Publikum.

 

Ohnehin ist es ja immer so: es gibt die einen, die hören ja eh nur amerikanischen Rap, weil deutsch ist uncool und flowt nicht und wwia. Die sind noch an der Bar und hinten. Dann gibt’s die, die feiern schon beides, aber wollen primär halt auch die Amis sehen und sind während der Vorgruppen noch mit den Jam-Kumpels draußen eine rauchen und quatschen. Und den Rest, der schon vor der Bühne steht, so richtig zu catchen, die Leute näher ran zu kriegen, das ist halt auch schwer. Aber wenn dann ein schwarzer DJ sein erstes „Put ya muthafuckin´ hands up“ in die Menge ruft und the legendary O.C. am Mic erscheint, ist´s auf einmal brechend voll! Hart, aber izzo.

 

Und yessssir, da können sich die jungen Rapper noch ´ne Scheibe abschneiden von dem Crooklyn Dodgers-Oldie. Gut, sicher, den haben viele, mich eingeschlossen, noch nie live gesehen, aber schon ewig gefeiert, deswegen hat der schon ´nen Bonus, weil man ihn endlich mal live sieht. Aber der hat nicht im Kinderzimmer, sondern an Brooklyns Straßenecken gebattlet und das merkt man ihm an. Der tigert über die Bühne, blickt fordernd ins Publikum und spuckt seine Rhymes mit Druck aber ebenso lässig ins Mic. Mords Bühnenpräsenz, der Mann. Es klingt nach New York, nach dem dreckigen Sound, aber der goldenen Ära der 90er, wenn er Classics wie „Time ´s up“, „Born to live“ etc. bringt. Genau das will das angereiste Publikum und feiert es entsprechend. „Seeing this faces out here tonight, is why I keep doing what I do“ sagt er – noch Fragen?

Dann dieser A.G. Schleicht sich schonmal während O.C.´s Set auf die Bühne, chillt in der Ecke auf der Box sitzend und rappt hier und da ein paar Textzeilen mit, während er mit dem Kopf nickt wie jeder andere hier drin. Lächeln muss er, als wär er selber nur als Fan hier, darüber, wie sein Rap-Partner schon allein den Laden rockt. Dann darf er endlich einsteigen und jetzt wird erstmal Crooklyn nochmal heftig represented und dann DITC, nach der „O-Zone“ der „Next Level“-Shit erreicht. Beide haben sichtlich Spaß, wie sie die Verses ihrer Klassiker ins Publikum ballern, und bleiben für mich an diesem Abend untopbar. Sie sind keineswegs alt geworden, sondern immernoch hungrig und motiviert wie in ihren besten Tagen. Burner!

 

Wer ist der Typ, dessen „Simon says“-Track noch immer im Club laute „Bo-bo-bo-booooo“-Rufe bekommt und das trotz seinem nach wie vor wohl eher Underground-Status? Pharoahe Monch, einer unserer Helden seit Rawkus-Zeiten. Nach seinem Auftritt 2011 beim HipHop-Kemp war ich nicht so überzeugt von seinen Live-Qualitäten, trotz seinem wirklich sehr guten letzten Album. Da wurden mehr Soul-Classics vom DJ angespielt, als Tracks komplett gerappt. Diesesmal fängt´s gut an, mit „Renegades“, „Free“, „Fuck you“ etc. geht’s schon schwer nach vorne. Allerdings muss man die Tracks schon kennen, um dem MC folgen zu können, sonst hat man es mit dem sperrigen Flow schon schwer. Zum Glück bringt DJ Boogie Blind ´ne kleine Scratcheinlage, bei der selbst A.G. bewundernd daneben steht. Time to „Clap“, einer meiner Favoriten, wo ich mir aber gewünscht hätte, dass Pharoahe das Publikum mehr fordert. Dann rappt er am Ende accapella auf die Claps des Publikums und ich hör´ auf zu meckern. „My life“ löst Jubel aus, wird aber leider nur angespielt, dafür wird „Desire“ dann durchgezockt. Das bekanntere „Oh no“ mit dem typischen R.I.P. an Nate Dogg, dann zum Schluss, um nochmal alles zu zerstören, natürlich „Simon says“! Alles springt durcheinander, gib ihm, Moshpit, in your face, baaaaam! What more can I say? Killer...

 

Murder, murder, killer, killer! Die Heavy Metal Kings Ill Bill und Vinnie Paz betreten schwergewichtig die Bühne (wie breit will Bill eigentlich noch werden? Riese!). Ich persönlich verfolge die Jungs ja nicht mehr so sehr, weil die teilweise schon enormen Quatsch verzapfen. Ihre Verschwörungstheorien und Hardcore-Battle-Lyrik fand ich früher bei Jedi Mind und Non Phixion geil, mittlerweile haben sich die Jungs aber unterm Strich nicht viel Neues einfallen lassen. Deswegen kann ich euch zu einzelnen Tracks nicht viel sagen. Dennoch: Bisschen „Army of the Pharaohs“-Stuff, bisschen „La Coka Nostra“-Stuff, die Fan-Meute feiert eh alles hardcore, zum Schluss bei „Heavy Metal Kings“ finde auch ich mich wieder mittendrin im durchdrehenden Mob! Na also, war doch wieder geil!


Text: MausDef

 

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