30.12.2012 Double-Review: Blumentopf @ LKA & Toni L @ Trijo Urban Session, BIX

Oldschool – Newschool – Zeitversetzt Sowohl der Topf als auch der Koch werden ja in HipHop-Kreisen immer gerne ein bisschen belächelt. Die einen die ewigen Skater/Freestyler/Backpacker, der andere der nasal-flowende, ewig-gestrige Oldschooler mit Adidas und SchiebermĂĽtze. Beiden kann das allerdings gelinde gesagt wurscht sein, denn das Haus war und ist trotzdem rappelvoll. Zu Recht!

Was für eine letzte Novemberwoche ´12! Donnerstags der Topf, am nächsten Tag arbeiten, nun ja, hält man sich halt ein bisschen zurück, man ist ja schließlich ein alter Hase und nicht mehr soooo auf Partysafari. Neues Album bekannt, mehr als die beiden vorherigen gefeiert, weil einfach Beat und Rap und gut is. Sogar sehr gut! Und das geht auch live und ohne Band. Stop! Unbedingt erwähnens- und empfehlenswert: Voract Edgar Wasser. Intelligente Lines, saubere Technik, klar verständlich und unterhaltsam trotz Null-Bekanntheit beim Großteil des Publikums. Da geht DEFINITIV noch mehr!

 

Dann schlurfen die Töpfe ganz gemütlich auf die Bühne. Sepalot haut den Beat rein und es kann los gehen für die „Antihelden“! „Keine Effekte“(Stieber Twins-Cut kann ich auch), brauchen sie auch nicht bei dem Hitkatalog. Egal welcher Track von welchem Album, heute abend sind alle wieder 16 und „lieben den Scheiß, wie kleine Kinder Klingelstreich“(Deichkind-Cut). Das mit den Cuts macht der Sepalot einfach gut und ist für Kenner ein Genuss. Das mit den Jungs auch schon etwas „reifer“ gewordene Publikum geht steil wie damals, Arme fliegen in die Luft, Bierbecher mit, Rauchverbot schnell aufgehoben und mitmachen bei...jesses, wo fang ich an? „On fire“ und „Affentanz“ sind Live-Granaten, die auch am nächsten Tag noch im Ohr wummern. „Bin dann mal weg“ und „Rosi“ zum Mitsingen, „Schwarzes Gold“ mit Kaffeetassen. Zwischendurch auch immer die Klassiker wie „Fensterplatz“, „Manfred Mustermann“, „So lala“, „Fenster zum Berg“, natürlich „Party Safari“, undundund, allerdings kein „6,90 m“. Auch gar nicht schlimm, denn nach wie vor fragt der Topf: „Habt ihr Bock auf die Freestyle-Texte?“ Und frenetischer Jubel ist garantiert. Wen wundert´s, da werden schonmal statt der Reime einfach Körperteile entblößt und das Publikum muss raten. Wie immer gehen die Jungs darin ganz auf und das spontane Tun bringt einfach diesen Proberaum-Flavour, der supersympathisch rüber kommt. Zweieinhalb Stunden Party, Beine und Stimme kaputt, „sauber“ sagt der Münchner!

 

Oder wann hat man zuletzt auf ´nem Konzert in einem Kreis gestanden und in der Mitte seine Dance-Moves gezeigt? Irgendwann in den 90ern im Jugendhaus? Nee, tatsächlich 2012 beim Topf und deshalb bemerkenswert, weil es auch samstags bei Toni L der Fall war. Ja wirklich, ein waschechter „Soultrain“ rollte als Dance Line durch das BIX! (Googlet das mal...)

Der Funkjoker hatte erst auf sich warten lassen, was sich aber dank des sich schonmal warmspielenden Trijos gechillt und groovend aushalten ließ. Um halb eins dann der Auftritt des Paten, as known mit Schiebermütze. Und der hat die Crowd sofort, der hat das MC-ing noch in der Oldschool gelernt, das merkt man. Er fordert die Leute, fordert die Hände, fordert die „Heeeyyys“ und „Hooooooos“ und spielt seine Klassiker aus AC- und Solozeiten. „Der Zug rollt“, „Wir waren mal Stars“, „Party 84“ mit saulustiger Anekdote über die echte Party damals bei Torch daheim in „Heidelbersch“. Einfach Kult und Legende der Mann, plus echter B-Boy! Den Beweis liefert er mit über 40 höchstselbst und zeigt seine Breakdance-Skills beim Soultrain, der zuvor schon von einigen Dirty Mamas (Props!) und anderen ordentlich gerockt wurde. Es ist nicht WIE du tanzt, es ist DASS du tanzt! Und diese Oldschool-Lehre haben wir alle an diesem Abend ordentlich befolgt. Abschließend seien nochmal die Trijo-Musiker, die jedesmal bei den Urban-Sessions mit ihren Gästen gekonnt improvisieren und rocken, ganz besonders gelobt und gegrüßt. Euch fehlt der Funk auf jeden Fall nicht, im Gegenteil! Bis zum nächsten Mal!

 

Text: MausDef

 

© 2018 Hip Hop Stuttgart | Impressum | Datenschutzerklärung | Kontakt