01.11.2012 Max Herre Theaterhaus Stuttgart

Wenn du´s wieder fühlst als wär es ´99...

Was musste man als Fan der ersten Stunde nicht alles erleiden, um auf dieses schon im Vorfeld als legendär gehandelte Konzert zu kommen? Tickets ausverkauft, nein doch nicht, also woanders bestellen, banges Warten auf die Post, tägliche Frustration beim Blick in den leeren Briefkasten und dann entweder „Hurra!“ oder „Wohl in der Post verloren gegangen...“ Say what?! Nun, wenigstens ging so die Zeit bis zum großen Tag schnell vorbei und alle Glücklichen freuten sich denn auch entsprechend euphorisch via FB und Konsorten. An dieser Stelle mal ein ernst gemeintes Sorry an alle, die davon genervt wurden.

ABER: Wenn es einer verdient hat, so dermaßen gehypet zu werden, dann dieser Max Herre. Mir wurscht was ihr diskutiert, ihr Roches&Böhmermanns, „zu poppig“ oder „früher warn die Texte besser“ oder ähnliches Palaver! Da sag ich doch: Am Arsch geleckt! Junger Vater, war das ein Konzert! Zweieinhalb Stunden fühlte sich der Stuttgarter Junge sichtlich pudelwohl auf der Bühne, die entsprechend dem Album-Konzept mit der Piratenradio-Bude und einer riesigen Skyline dekoriert war, aus der ganz klar der Fernsehturm herausstach. Schonmal ein Statement, was auch Max bestätigte: „Die ganzen letzten Konzerte der Tour haben wir nur für heute geprobt!“

Und so öffnete sich nach dem Warm-up durch das neue Signing bei Max´ Nesola-Label namens Megaloh, der staunende Gesichter ob seiner lyrischen Qualitäten hinterließ, gleichermaßen aber auch so richtig roughe Tracks wie „HipHop“ performte und auf sein Debütalbum nun mit Spannung warten lässt, um kurz nach neun langsam die kleine Bude und Kahedi-Radio ging ON AIR. Sawon Kawamura droppt das Intro, die Band steigt ein und Max begrüßt uns zu seinem Heimspiel mit „Hallo Welt...hallo Stuttgart...“. Das gefällt, gell, Hr. Rockenbauch? Aber Sitzplatz geht halt gar nicht.

Denn wer will schon sitzen bei der musikalischen Bandbreite, die uns da 2einhalb Stunden(!) geboten wurde? HipHop, Rockiges, Reggae, Soul, Songwritersachen...you name it! Max schaffte es, gekonnt zwischen den Songs der neuen Platte und seinem Klassiker-Katalog hin und her zu swingen, brachte schon früh nach neuen Sachen wie „Freedom Time“ und „Jeder Tag zuviel“ auch „1ste Liebe“ und band in der Folge immer wieder All-time-favourites wie „FK 10“, „Esperanto“ etc. in die Show mit ein. Um „das Erbe von FK auf seinen Schultern“ nicht alleine tragen zu müssen, hatte er grandiose Unterstützung durch Sängerin Grace und Verstärkung durch, na klar, Afrob! Der langjährige Freund und Partner am Mic übernahm neben seinen eigenen auf „Get up“, „Reimemonster“ und „Exklusivinterview“ auch die Parts von Max´ sonstigen Features wie Samy und Wasi und bekam dafür natürlich wie gewohnt viel Liebe vom Publikum. Auch Megaloh ließ sich für „Rap ist“ nochmal blicken und der Track killte Genicke wie erwartet.

Einen weiteren Höhepunkt stellte der gemeinsame Auftritt mit dem ebenfalls aus Stuttgart kommenden Sänger Philipp Poisel dar, der Max auf dem Song „Wolke 7“ unterstützte. 2 Männer und ihre Gitarren, wenig Licht und dieser ehrliche Text sorgten für Gänsehaut, verstärkt durch die am Ende langsam einsetzende Band. Großes Kino, wie auch „Von Berlin nach Tel Aviv“, bei dem das Publikum ebenfalls andächtig lauschte und schunkelte. Andere Feature-Partner wie Marteria,Tua oder Cro konnten wohl aufgrund ihrer eigenen Touren leider nicht anwesend sein, dennoch performte Max auch „Kahedi Dub“, „Solang“ oder „Fühlt sich wie fliegen an“ alleine so gut, dass deren Fehlen kaum auffiel. Der Mann hatte einfach Spaß daran, endlich vor „seinem“ Publikum zu spielen und zu sehen wie es mitrappte, -sang und -sprang und die Hände und Feuerzeuge und Handys beim Tanzen hoch hielt. Auch die Band zeigte vollen Einsatz und enterte vereinzelt schonmal den Boxenturm, die super Stimmung übertrug sich also wechselseitig und als der offizielle Teil des Konzerts sich mit „So wundervoll“ dem Ende neigte, hätte man es besser nicht in Worte fassen können. Gleichzeitig glaubte aber wohl auch keiner der Anwesenden schon an das Ende, „denn es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist“. Die Musiker hatten die Bühne noch nicht verlassen, da forderte das Publikum schon die Zugabe.

Da wurde dann nochmal ne ganze halbe Stunde kräftig Stuttgarter Qualitäts-Rap nachgelegt, „Exklusivinterview“, „Wenn der Vorhang fällt“, „Halt dich an deiner Liebe fest“ sowie „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“, um nur einige zu nennen. Zum Schluss hatten Max und alle im Theaterhaus alles gegeben und ausgiebig gefeiert und wurden zum verdienten Chillen mit Bob Marley´s „Jammin´“ entlassen, als das ON AIR erlosch und die kleine Radio-Bude sich schloss. Auf dem Nachhauseweg sind in meinem Kopf noch unzählige Ohrwürmer und Momente präsent und den Freunden um mich herum geht es genauso. Was für ein riesengroßes Stuttgarter-HipHop-Freunde-und Familientreffen! Wir ham´s definitiv wieder gefühlt als wär es ´99!

Komm bald wieder nach Hause, Max Herre, denn es war schön, dass du wieder da warst!

Beste Grüße aus der Reinsburgstraße,

MausDef

 

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