23.01.2016 Review: Lakmann One/Witten Untouchable/Marz/Sickless @ F&K, 16.01.2016

Dafür macht er das!

Ehrlich? So richtig ehrlich jetzt? So Lakmann-mäßig ehrlich jetzt? Ich hab ja schon viele, wirklich verdammt viele Rap-Konzerte in meinem bescheidenen Leben gesehen und gehört, aber das war absolut ü-ber-ra-gend! Und verrückt irgendwie. Kollektiver Freudentaumel wie sonst nur während der WM! Beifallsstürme und Sprechchöre auch bei den deepsten Songs! Aber woher kam's?

Zunächst mal mein Beileid an diejenigen, die leider nicht dabei sein konnten, sei es weil das Konzert schon längst ausverkauft war oder wegen mangelnder Motivation, sich in der Winterkälte vom Sofa zu erheben. Oft stimmt der Satz nur bedingt, aber in diesem Fall zu 100 Prozent: Ihr habt echt was verpasst! Denn dieser Lakmann und überraschenderweise auch seine Jungs von Witten Untouchable plus Mistahnice sind und bleiben einfach Originale! Das beginnt schon damit, dass Laki während Marz' Warm-up-Show am Bühnenrand steht und mitfeiert, mitten unter den gefühlt 50 Freunden und Bekannten um einen rum. Es herrscht familiäre Athmosphäre wie in besten Jugendhaus-Jam-Zeiten.

Die Crowd, zu Beginn noch etwas lame, lässt sich von Marz' Kurzprogramm aus „Hoes.Flows.Tomatoes.“ und „Hoes.Flows.Kollabos.“, die dieser Tage auf sehr schönem bunten Vinyl erschienen sind, leider nur zögerlich ein. Obwohl dieser ohne Mütze aussieht wie der Führer (laut Laki) und eine saulustige Story von Johnny Rakete zum Besten gibt, in der er mit einem Kiosk-Überfall in Verbindung gebracht wurde und daher nicht da sein kann. True Story! Auch der kleine Einblick ins neue Album weiß absolut zu überzeugen, bevor mit Partner Sickless dann souverän die Hits geballert und die Cypher im Publikum eröffnet werden. Aber letztlich weiß auch Marz, worauf sie alle warten: Ahhhhhhhhhhh!!!

DJ Fingo Starr sorgt erstmal für Ruhrpott-Athmoshäre mit Klassikern von RAG, bevor die Wittener übernehmen und ihr Programm mit zwei alten Creutzfeld & Jakob – Tracks (!) beginnen. Da wird erstmal der eigenen HipHop-History Respekt gezollt, bevor man sich selber feiern lässt! Tradition leben, das gefällt dem Stuttgarter. Weiter geht’s mit ein paar Tracks vom neuen Album „Aus dem Schoß der Psychose“, das nicht nur wegen des uns sympathischen Titels bereits schon jetzt Großes verspricht. Da gibt’s großspurige Ansagen wie „Runter von meinem Thron“ genauso wie die für Lakmann typischen, ehrlichen Lyrics über die eigene Karriere und den Sinn des großen Ganzen. Dann wird Magic Mess' Geburtstag zelebriert und Witten Untouchable feuern in gewohnt souveräner Manier ihre Parts ins Publikum. Bemerkenswert, wie dieser Laki es versteht, das Publikum auch bei den nachdenklicheren Songs mitzureißen, indem er Einzelnen beim Rappen immer direkt in die Augen sieht! Mit seiner Bühnenpräsenz, seiner ehrlichen Höflichkeit und Dankbarkeit gegenüber DJ und Publikum und seinen lustigen Ansagen bezüglich seiner Altersschwäche gewinnt er uns allen frenetische Beifallsstürme ab. Gottverdammt coolster Typ im gesamten Rap-Game! Da bleibt zur großen Feierei eigentlich nur noch eins zu sagen, was den Laden richtig abreißt: „Ahhhhhhh“ mit Marz und Sickless und der ganzen Meute auf der Bühne zeichnet sich als einer der ganz klaren Höhepunkte des Abends ab. Und wenn Laki zum Ende die Frage stellt, „Wofür mach' ich das?“, dann hat er die Antwort darauf bereits schon längst erlebt und ungläubig begutachtet. Und gibt uns Props zurück: „Liebes Publikum in Stuttgart, ihr habt Karlsruhe gef***t!“ Yessir, you betta salute El General Lakmann!


Text: MausDef

Foto: FotoNoid

 

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