24.10.2015 Review: Veedel Kaztro, Gold Roger und Johnny Rakete @ F&K, 14.10.2015

Niemand hat die Absicht das Haus zu rocken!

Junge, Junge, Junge! Noch zu Beginn des Jahres waren diese drei Deutschrap-Jungspunde ja bereits schon einmal ohne Absicht auf Tour, allerdings damals noch im Club Zwölfzehn, gefüllt mit, sagen wir mal, 50 Leuten? Also nicht so besonders berauschend von der Menge her, aber auch schon ein feiner Abend. Da ließ der eine oder andere der Jungs auch live noch einige Qualitäten vermissen, da wurden noch schlechte Backup-Rapper gebraucht und manches kam nicht so dope rüber wie auf Platte. Anfangsstadium eben.

Ein knappes Jahr später nun ein völlig anderes Bild: der geneigte Deutschrap-Hörer rechnet erneut mit ca. 50 Leuten im Ganzen, als er sich dem Kupfi wie gewöhnlich am Mittwochabend nähert. Dann biegt er nach dem Döner um die Ecke und sieht: Alter Schwede, da isses ja voll! Draußen wie drinnen! Da passt ja kaum noch einer rein! True story, man ist schon irritiert, wenn man eine Woche vorher noch mit 20 anderen bei den Clear Soul Forces aus Detroit stand und es scheinbar keinen interessiert hatte. Da soll noch einer sagen Deutschrap zieht nicht, das hier ist halt Stuttgart!

Den Abend eröffnen durfte leider nicht, wie bei einigen anderen Tourstopps, der Hype-Ösi der Stunde namens Crack Ignaz, dafür aber war Shawn the Savage Kid am Start, um die Peeps mit seinen Storys rund ums Broke sein, Chillen, Abstürzen, Ladies und das Großstadtleben schonmal warm zu bouncen. Vor allem das jüngere Publikum feierte da bereits schon ordentlich mit, Stimmung schonmal oben, Mission accomplished.

Und wenn die Crowd schon high ist, kann man sie auch gleich per Anhalter mit durch die Galaxis nehmen, Johnny Raketen – Style. Nicht alle Jungs auf einmal, erstmal mit „42“ eingrooven und Stuggis Marz für den gemeinsamen Track „The Worst“ auf die Bühne bringen, damit dieser HipHop auch definitiv anwesend ist! Dann bisschen Rap und Reggae feiern mit Veedels bekanntem Cover von Jan Delays „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“ und bouncen zu „Unnormal“, der gleichzeitig Kaztros Bühnenpräsenz treffend beschreibt. Man kann auch mit verstauchtem Fuß und Mandelentzündung rappen, bis man nassgeschwitzt ist. Keine Frage, da ist jemand am Mic voll in seinem Element.

Auch der beim letzten Mal etwas blass gebliebene Gold Roger zeigte sich dann als Dritter im Bunde stark verbessert, was seine Live-Qualitäten angeht. Go, go Powerrangers ist das Motto! Das Spiel mit dem Publikum beherrscht er mittlerweile deutlich besser, sodass es ihm sogar die freche Ansage zum Freundeskreis -Cover „Schiene der Geschichte“ vom MOT-Wettbewerb verzeiht. Herrliches Bild auch, wie er und Veedel auf der aufgebauten Parkbank chillen, während Johnny „Kleiner Vogel“ performt. Weiter geht’s im Verlauf des Abends mit massig Seitenhieben an halb Deutschrap-Hausen („Wer ist der wackste Rapper? Kolle oder Fler?“) und die Mutterstadt selbst („Wer von euch ist Mutter?!“). Dabei bleibt von Kölle bis Stuggi aber alles freundschaftlich verbunden, denn mit Sickless, Marz und Kex Kuhl holt man dann nochmal die Homies auf die Bühne, um den gemeinsamen Track „#aufachse“ zu performen und der Feierei die Krone aufzusetzen. Genug haben die drei danach aber noch nicht, denn für dich ist vielleicht schon alles aus, aber „Für uns nicht“, es wird nochmal böse geflext.

Auf das Zugaben-Gedöns wird dann auch gepflegt geschissen und einfach weitergerappt. Am Ende wird mit „Kölsch, Kippe, Lederjacke“ und „Niemand hat die Absicht“ der Abend rund gemacht und die drei haben mit ihrem DJ Densen anderthalb Stunden den Laden gerockt, dass der Schweiß von der Decke tropft. Niemand hat die Absicht sich das wieder zu geben!

Text: MausDef

 

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