25.09.2011 Connection Of Mceez - Klappe die 1.


Connection Of Mceez „Klappe die 1.“
Label: Eigenvertrieb
http://www.myspace.com/connectionofmceez

MC Gonzales setzt gleich im Opener „Viva La Musica“ ordentlich auf den bilingualen Bleifuß und macht dadurch schon zu Beginn der Platte Lust auf mehr. Leider kann der HipHop-Verband Connection Of Mceez aus dem beschaulichen Schwäbisch Gmünd nicht durchgehend dieses Level auf ihrem Crew-Album „Klappe die 1.“ halten.

Siebzehn Tracks haben die sieben Mitglieder auf die Beine gestellt. Das Ganze recht schnörkellos ohne irgendwelche Intros, Outros, Skits oder Interludes. Ist schon mal ein Pluspunkt. Leider lag mir keine Presseinfo vor und auch das Booklet enthält so gut wie keine Informationen über die Gruppe bestückt. Daher konnte ich auch nicht feststellen, wer nun was in dieser Konstellation tut.

Egal! Namen oder das unterirdische Cover-Artwork sagen ja nix über die Musik aus. Deshalb rein ins Vergnügen und los geht’s. Nach den ersten Tracks ist klar, wo uns die Reise hinführt.  In der Welt der Connection Of Mceez hängt man noch im Studio, veranstaltet Saufgelage an der örtlichen Bushaltestelle und scheißt auf alle Hater. Eindeutig Musik von Menschen, die regelmäßig das HipHop Open besucht haben und dort auch von 9 bis 22 Uhr vor der Bühne standen.

Ein Representer, eine Hymne an die Stadt, ein Lied gegen die Obrigkeit, ein Back-In-The-Days-Track, ein Party-Song, eine „deepe“ Bestandaufnahme der aktuellen Lebenssituation… irgendwie ist das alles nicht so neu. Woanders würde man vielleicht sogar 0815 sagen. Gepaart mit mal stärkeren und mal schwächeren Beats und ab und an einem auf Hit gebügelten Kehrvers ergibt die ganze Angelegenheit genau diese Art von Platte, wegen der andere Musikjournalisten ihre Tätigkeit an den Nagel hängen würden. Denn „Klappe die 1.“ ist Durchschnitt. Nix worüber man groß motzen, aber auch nix, worüber man groß Lobreden verfassen könnte.

Okay, Totalausfälle gibt es schon. Eine so alberne Systemkritik wie die auf „Villa Kundabund“ hat man selten gehört. Wie da über Polizei und Staat gesprochen wird, ist kurzsichtig und peinlich. „Zurück in den GK-Unterricht“, möchte man den Jungs an dieser Stelle fast schon raten. Und auch Zeilen wie „Es ist mir egal mit wem du Bitch hängst/es ist mir egal, was du Bitch denkst/es ist mir egal, ob du Bitch mich kennst“ haben nichts mit Style, sondern lediglich mit Schwachsinn zu tun. Fremdscham hat das Gebäude offiziell betreten.

Die Connection Of Mceez macht viel falsch, aber auch einiges richtig. Wer innovative HipHopperei mit Mut zu Neuem sucht, der wird sich hier ganz arg die Finger verbrennen. Wer traditionsbewusste Musik, die hier und da auch etwas jugendlich verbissen klingen darf, hören möchte, ist bei den Schwäbisch Gmündern richtig aufgehoben. Am Ende bleibt ein durchwachsenes Stück Musik hängen, das ich für meinen Teil wahrscheinlich nicht mehr in die Anlage werfen werde.

 

Review: Stefan Pan

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