13.12.2016 Green Instruments + Phi 618 - The Lo-Bit Loopers

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Zur Review von der THE LO-BITLOOPERS Platte kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich wollte ich im Plattenbau am Marienplatz nur nach paar neuen Scheiben schauen und schwupps hab ich eine neue LP zum reviewen. Die 9 Tracks starke LP wurde komplett vom Münchner und Stuttgarter Produzentenduo Greeninstruments & PHI 618 produziert. Erschienen ist die Platte über Kellerflavour, einem kleinen Münchner Hiphop & Rap-Label. Für die Rapparts sind Spax, Boshi San, Sam & Max, Mr. Robinson, Dizzy, Greenery Force, Headtrick und Das Ding zuständig.

Von Hellboy bis zum Aufstand der Gedanken

Eines vorweg, wer eine Platte mit Clubbangern oder den neusten Trap-Tunes sucht, ist bei den Lo-Bitloopers falsch. Hier gibt’s Kicks, Snares garniert mit feinen Samples wie zu Beginn in „Hellboy“, der nach einem einminütigen Intro startet. Boshi Sun (58Beats) flowt locker über das Rebell-Sein mit Zeilen wie Nicht nach oben buckeln wie mit Fahrradhelm/nicht nach unten tritt mit Hundeblick, nicht jeden Tag verstelln. Der Beat mit kleinem schönem Vocalsample passt perfekt und wird von K-Hans-K mit passenden Cuts komplementiert. Der nächste Track „Nebel“ ist düster. Meiner Meinung nach ist die Snare hier etwas schwach und könnte mehr knallen. Der Osnabrücker MC Dizzy hat eine krasse Stimme, allerdings hauen mich seine Lyrics nicht vom Hocker. Er droppt Zeilen, die man schon häufiger gehört hat. „A minha luz“ ist dann eine komplette Überraschung. Mit Mr. Robinson konnten die Produzenten einen Rapper aus Sao Paulo/Brasilien gewinnen. Auf einem wunderbaren, mit sanften Vocal- und Trompetensamples unterlegten Drumset flowt Mr. Robinson einzigartig und fesselt einen, auch wenn man kein Wort versteht. Nach einem kurzen Interlude kommt Spax, der mit insgesamt 3 Tracks auf der Platte vertreten ist, um die Ecke. In „Victoria“ übt das Hannover Urgestein Gesellschaftskritik und sieht sich als einzigen Fels in der Brandung. Die Hook Ein Urteil ist schnell gefällt/die Blume der Hoffnung ist schnell verwelkt/die Gesellschaft entstellt sich selbst/was bleibt?, lässt einen etwas ratlos zurück. Sam und Max zeigen im letzten Track der A-Seite „Aufstand der Gedanken“ wie einen Gedanken auffressen können. Schöner Track!

Über Salbader zu Dali

Auf der B-Seite begrüßt einen Spax, zusammen mit Headtrick in „Salbader“. Beide MCs geben einen F**** auf die ganzen Besserwisser und Leute, die einem vorschreiben, was man zu tun hat. Die von Brisk Fingaz gescrachte Hook passt perfekt zum Song. Ein Einstieg der Lust auf die B-Seite macht. „Glückspirale“ lädt zum Kopfnicken ein, Das Ding flowt locker über einen Trompeten-/Gitarrenbeat, der eine sehr nice Bassline hat. C-Ras & D-Ras von der Greenery Force kommen auf „Flow Taekwando“ mit dem einzigen Battletrack auf der LP daher. Erinnert mich irgendwie an deutsche Battletracks um die 2000er , die Hook Flow Taekwando du brichst dir deinen Style beim Bruchtest/ weil dir das Brett zu hart ist, du Lusche! sagt eigentlich alles. Zum Schluss darf nochmal Spax mit „Dali“ ran. Auf einem sehr smoothen Xylophon- Flötenbeat philosphiert Spax über den Wert und Sinn von Kunst. Gelungener und hörenswerter Track!

Fazit:

Greeninstruments & PHI 618 verstehen ihr Handwerk. Die Beiden wissen mit ihrem Arbeitsgerät (alle Beats wurden mit der MPC + SP404SX produziert) umzugehen. Jeder Beat ist sauber produziert und gut abgemischt. Rapfans, die auf smoothe, teils düstere Beats stehen, sollten die Platte auschecken. Für die nächste LP würde ich mir raptechnisch und -inhaltlich etwas mehr Abwechslung wünschen. Anspieltipps sind auf jeden Fall Dali, Hellboy und A minha luz.

Text: Chris Debo

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