03.10.2016 Marz - I love 2 hate



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Marz, Anfang dreißig, Serienjunkie, Sneakerträger, in der Cannstatter-Kurve-Steher und Rapliebhaber droppt sein Solodebütalbum I Love 2 Hate. Mit seinen Mixtapes „Hoes. Flows. Tomatoes.“ und „Hoes. Flows. Kollabos.“ hat er sich selbst die Messlatte hochgelegt.
 

Marz - Einfach anders

Doch Marz ist anders als die meisten seiner Altersgenossen. Während die sich langsam um ihr Eigenheim und Familienplanung kümmern, kümmert sich Marz um seine Rapkarriere wie zum Albumbeginn auf „Kerkeling Feeling“. Ein Openertrack mit smoothen Jazzbeat. Gleich eine Besonderheit von I Love 2 Hate: Alle Instrumentals wurden von Kova aus Berlin produziert, mit Unterstützung der Stuttgarter Jazzband Bixtie Boys. Die Jungs geben den Beats das gewisse Etwas und ein durchgängig jazzig-smoothes Soundbild.

Nachdem sich der Track „ Wenn du das hörst“ etwas in die Länge zieht, gibt’s richtigen Kopfnickersound gleich danach auf „Zugezogen Feminin“. Nicer Piano/Sax-Beat und Lyrics, die mit Zeilen wie „ Kann nicht kacken, wenn sie da ist-was perfekte Welt / es ist schwer das W zu formen, wenn du Händchen hälst“ einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Denn welcher Mann kennt es nicht, wenn seine Liebste einzieht und seinem Lotterleben ein Ende setzt. Der erste Featuregast gibt auf „Keine Entourage“ seine Duftnote ab. Auf einem eintönigen Beat spittet Lakmann wie gewohnt. Solide, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Man hat sich etwas mehr erhofft - schade.

 

Mehr Druck in der zweiten Halbzeit

Nach einem Interlude („Sybille“) bereitet sich Marz in „Für den Fall“ schon mal vor, falls er morgen tot wäre. Auf einem perfekt passenden Klavier/Sax - Beat verteilt er sein Erbe an seine Homies. Aber keine Sorge, Marz bleibt uns für fünf weitere Albumtracks erhalten - also chillt. Seine Kreativität für's Schreiben nimmt Marz nach Savas Motto "Bitte fuck mich ab, ich brauch einen Grund zum schreiben" aus dem Hass, der ihm von allen Seiten entgegenschlägt. Statt Leute zu boxen, wütet er lieber mit nem Stift aufm Blatt wie auf „Was Melfi für Toni“. Der Film- und Serienjunkie Marz kommt immer wieder auf dem Album durch. Fast jeder Track ist gespickt mit Serien- und Filmzitaten. Mit Johnny Rakete ist ein weiteres Feature am Start. Beide nehmen sich auf „Meister Hater“ eine kreative Auszeit. Auf „Dieser Musik“ kommen sie stärker zurück. Marz erzählt eine Einkaufstour mit Musikstilvergleichen, um am Ende seiner Tour Rap zu treffen, der irgendwie uncool ist „Ich dachte Rap ist cool-Alter easy der Typ/ Hab mich in seiner Gegenwart immer easy gefühlt/ Ich sagte was geht Alter, was geschieht/ Doch Rap war ein Wichser er hat nicht mal gegrüßt“. Das große Finale kommt auf „Eine Liebe für“ mit wunderbaren Streichern im Beat, einem wunderbareren, der ganzen Welt Liebe gebenden Marz und einer wunderbarsten Hook vom großartigen Kamp.

Fazit: Ein Marz tut auf I Love 2 Hate, was ein Marz tun muss. Er liefert ein gelungenes Debütalbum über 15 Tracks zusammen mit Kova und den Bixtie Boys ab. Den studierten Musikern lässt Marz in jedem Track genug Platz, sich selbst zu entfalten. Nicht zu vergessen die DJs Fingostarr, Henster und Kinimoto, die die Tracks mit gut durchdachten Scratches ergänzen. Marz erfindet sich auf seiner Platte nicht neu, er bleibt sich treu. Er ist eben anders als einige seiner Altersgenossen und das ist auch gut so.

Text: Chrisdebo

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