28.09.2016 Benny San - O.G.


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Irgendwo zwischen Rucksack und Straße“

Zugegeben, beim ersten Lesen des Titels auf dem Cover musste ich erstmal schmunzeln. Wer nennt denn schon ein deutsches Rapalbum „O.G.“? Noch dazu, wenn er aus Stuttgart kommt? Ist ja wohl ein bisschen anmaßend, oder? Wenn man sich allerdings den beiliegenden Pressetext mal anschaut, wird die Sache schon etwas klarer: „O.G.“ steht demnach für „OriGinal“, denn als ein solches möchte Benny San sich verstanden wissen. Und hat, folgt man den Inhalten seiner Tracks, auch guten Grund dazu.

Man merkt dem Mann schnell an, dass es ihm ernst ist mit der Mucke, wenn er mit durchweg aggressiver Stimmlage Sätze rappt wie: „Ich hoff' dass Stuggi mir verzeiht / ich hass' die Pussyhaftigkeit“. Schließlich kommt hier einer, der nach eigenen Angaben seine „Dues gepayed“ hat und schon seit 20 Jahren nicht nur am Mic, sondern auch beim Breaken und Sprühen aktiv war und ist. Der Vorgruppe von Leuten wie DAS EFX, Defari, Afu-Ra u. a. war und in Heidelberg bei Torch und Konsorten gespielt hat. Dass er HipHop-History to the fullest studiert hat, wird schlussendlich spätestens klar, wenn er sich auf „Beatstreet“ und „Crush Groove“ als Beginn seiner Sprüheraktivitäten beruft und von B-Boy-Battles auf dem Schulhof erzählt.

Also komme man ihm nicht dumm, denn sonst heißt es „Deine Mutter schüttelt meine Dosen“ mit Scratches von DJ Crypt. Für solche und ähnliche Ansagen gegen allerlei Wackness und Weicheiertum nutzt Benny San ein umfangreiches Arsenal an Straßen-, Comic-, Film-, Kampfmetaphern (bspw. „Knochen Adamantium“) gepaart mit jeder Menge Pathos ( u. a. „High Pressure“) und einer Prise Sexismus, was Frauen angeht („Diese Nacht lang“). Die Beats, produziert von SaiZ (der auch gemastert hat), S DZL, J Dutt, Total Mutilation, DOMAIN und Benny selbst, kommen passend dazu meist ebenfalls brachial daher. Harte Drums, kombiniert mit teils mehr, teils weniger bekannten (Serien-) Samples, dumpfe Basslines, viele E-Gitarren, lange Outros. Dabei wurden alle Cuts von O.C. bis Savas von Benny selbst gemacht.

Natürlich darf auch eine Rückschau auf die Vergangenheit als ein Kind der 80er nicht fehlen („Est. 1980“), was mit Nennung diverser Serien unserer Kindheit zwar nichts unbedingt Neues ist, aber dank energiegeladener Vortragsweise Spaß macht. Danach aber noch einen kompletten Track „Eternia“ zu widmen, erscheint etwas überladen. Gleiches gilt für die beiden Feature-Tracks mit Nadia: „Ein bisschen Frieden“(ja, das!) passt harmonisch nicht zum Beat, zudem warten die Lyrics mit zweifelhaften Verschwörungstheorien (Rothschild etc.) auf. „Lost in space“ kommt zwar relaxt trappig daher, aber inhaltlich nicht auf den Punkt, wie auch „Brenne wieder“, das viel zu unkonkret in seinem Hass auf die Mitmenschen bleibt.

Die beiden Ami-Features KRS-ONE und ICE-T ergeben für mich in Bennys Kosmos dagegen absolut Sinn und beide haben entsprechend abgeliefert. Auf „Stuggi Town Bronx“ wird zu viert mit Chicco und S DZL ordentlich representet und die eigene HipHop-Knowledge zelebriert. „Back2ThaNewJack“ lehnt sich an Guns'n'Roses an und wenn Ice-T rappt „I can cut you Motherf***ers with a pocket knife“ dann weißt du bescheid. „Ain't a damn thang changed“, sie machen's immernoch. Sicherlich zwei Kindheitsträume erfüllt, Respekt! Angepeilt für das Album ist, die Top 100 zu knacken. Ob das allerdings mit einem Album gelingt, das sich in Produktion und Inhalten vor allem an die Oldschool-Heads wendet, bleibt abzuwarten.

Text: MausDef

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