07.03.2016 Koffeinfrei - Besser spaet als nie

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Wer Koffi schonmal beim Rapkessel live gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass er sich neben seiner Heimatstadt Bremen auch eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit Motrips 'best buddy' Joka teilt. Und natürlich, dass er über einen, für einen Rapper höchst ungewöhnlichen, Namen verfügt. Hoffentlich ist Äußeres und Nomen da nicht gleichzusetzen mit Omen, muss ich mir da als geneigter Kaffee-Junk allerdings immer unweigerlich denken. Nun, widmen wir uns den harten Fakten:

Das Album „Besser spät als nie“ erscheint online zum downloaden in einer „Low-Version“ ohne Cover, Cuts etc., das volle Programm bekommt man nur, wenn man es sich bestellt. Ob das so eine kluge Marketing-Strategie ist heutzutage? Wenn selbst ein Kendrick Lamar 'ne EP komplett für umme raushaut? Dann doch lieber erstmal richtig online überzeugen, so dass der geneigte Hörer das Teil auch in real haben möchte, würde ich sagen.

Das Intro zum Album macht mit epochalen Bläsern und Streichern jedenfalls ordentlich Druck und stimmt eigentlich gefühlt auf ein Battlerap-Album mit dem folgenden Selbst-Rapresenter ein. Das folgende „Bremen“ allerdings kommt dann merkwürdigerweise sehr entspannt, bluesig und retrospektiv daher.

Das titelgebende „B.S.A.N.“ führt sich leider mit dem Hook-Zusatz „...oder gar nicht oder niemals“ selbst ad absurdum. Erst in der letzten Strophe/Bridge wird hier auf den Punkt gebracht, worum es eigentlich bei dem ganzen Projekt geht: unbeirrt seinen eigenen Traum zu verfolgen. Auch „Das Mädchen aus der Nachbarschaft... das leider keinen Nachbarn hat“ krankt an so einem Logik-Fehler und erzählt zwar ambitioniert vom sozialen Absturz eines hübschen Mädchens, ist aber in sich nicht schlüssig erzählt, da die Pointe fehlt. Ganz abgesehen davon, dass man solche Storys schon oft und weitaus krasser detailliert gehört hat.

Ein Problem, dass sich noch durch mehrere weitere Tracks zieht und zum Skippen verleitet. Bei Tracktiteln wie „Geld“, „Stell dir vor“ oder „Internet“ erahnt man einfach schon im Voraus zu leicht, was einen erwartet und wird dabei leider auch in seinen Erwartungen nicht enttäuscht. Auch scheint hinter den Zeilen leider selten die Person von Koffi durch, vieles Gesagte wirkt nur oberflächlich angekratzt und nicht mit der Dringlichkeit der eigenen Erfahrung vorgetragen. Und wenn in „Kalt“ von Winterdepressionen die Rede ist, erinnert das schon fast an ein Gespräch übers Wetter. Erst im abschließenden „Schicksal“ werden endlich wieder ein paar eigene Wünsche, Vorstellungen und auch Ängste formuliert, was diesen zu einem der besseren Tracks der Platte macht.

Zur instrumentalen Untermalung bleibt zu sagen, dass sie den jeweiligen Themen gut entspricht und Einiges an guten Ideen und Abwechslungsreichtum enthält. Allerdings sind mir durchweg die Drums nicht knallend genug und die generelle Abmischung leider zuweilen auch suboptimal für Koffis Stimme. Die wiederum ist zum Zuhören durchaus geeignet, braucht allerdings textlich weniger Vorhersehbarkeit, dafür mehr Wortwitz, inhaltliche Stringenz und persönlichere Geschichten.

Text: MausDef

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